Vom Träumen, Suchen und Finden

Stefan Kügel vom Theater Kuckucksheim

 

Eingang zum Theater Kuckucksheim

 

Stefan, ein alter Bauernhof mit eigenem Theater und eine Familie mit sechs Kindern, Du lebst heute Deinen Traum. Hast Du davon schon immer geträumt?

Ich bin in einer großen Familie in Burgebrach aufgewachsen, wurde als jüngstes von sieben Kindern geboren und hatte eine recht traute und glückliche Kindheit. Was aber schon immer ein Thema war, schon im Kindergarten, war Theater spielen. Ich habe auch seit meiner Kindheit schon einen ganz verrückten Traum: Mit einem Traktor und einem Zirkuswagen über die Dörfer ziehen und Theater spielen ...

Trotz der Begeisterung für Theater hast Du nicht von Anfang an den Beruf eines Schauspielers ergriffen. Wie sah Dein Weg aus?

Als es dran ging einen Beruf zu suchen, habe ich erst an näher liegende Dinge gedacht, „was Anständiges lernen“ halt. Und so habe ich am Anfang Sport und Kunst im Lehramt studiert und dann eine Schreinerausbildung gemacht. Parallel dazu habe ich 87/89 sehr intensiv das Figurentheater-Festival in Erlangen kennen gelernt. Ich habe mir ganz viel angesehen und da habe ich diese Theaterform für mich entdeckt.

Für mein erstes Stück kam eine Bekannte auf mich zu, die etwas für Kinder für ihr Sonnwendfest haben wollte. Das war für mich die Gelegenheit. Ich habe mir ein Stück ausgedacht, das zum Thema passt, „Die Sonne und die Wende“ hieß es, ein Kasperstück. Ich habe neben meiner Arbeit als Schreiner das Stück geschrieben, eine Bühne und Puppen gebaut und bin darin voll aufgegangen. Es hat bei dem Fest alle total begeistert und ich dachte: „Jawoll, das ist es!“ Es war der absolute Sprung ins kalte Wasser. Ich hatte zwei Kinder und meine Frau Maria hatte schon vorher aufgehört als Erzieherin zu arbeiten, um voll für die Kinder da zu sein.

Wie seid Ihr nach Heppstädt gekommen?

Das Haus gehörte der Familie meiner Frau Maria. Wir haben das Haus in jeder freien Minute von Grund auf renoviert. Aber wir haben von Anfang an gemerkt, dass das ein guter Platz ist. In diesem Haus ist ein guter Geist, das hat uns sehr geholfen.
Als die ersten 2 ½ Zimmer ein halbes Jahr später fertig waren, sind wir hier eingezogen. Von da an wurde immer wieder etwas gemacht, jedes Jahr kam ein Zimmer mehr dazu und so ist das Haus mit uns gewachsen.

Wie entstand das Theater in der Scheune?
Parallel zum Ausbau des Hauses haben wir 1993 zum ersten Mal die Aktion „Bauernhof & Theater“ gemacht, bei der die Scheune als Spielort genutzt wurde. Das war noch sehr ursprünglich. Da saßen die Kinder auf Strohballen, und ich habe eine kleine Bretterbühne reingebaut, auf der ich in den Sommermonaten Theater gespielt habe. Das hat unheimlich viel Spaß gemacht.

Wie hat sich das Theater dann weiter entwickelt?
Es war schwierig in den ersten Jahren und man musste Ausdauer haben. Erst nach ca. sieben Jahren kann man sagen: „Funktioniert’s oder funktioniert’s nicht?“ Heute habe ich ca. 200 Auftritte im Jahr. Das ist in etwa so, seit ich das feste Theater habe. Das Theater hier in Heppstädt haben wir in Eigenregie ausgebaut und 2000 als festen Spielort eröffnet. Die 200 Auftritte schließen meine Vorstellungen in Heppstädt, aber auch Gastspiele im gesamten deutschsprachigen Raum und Gastrollen an anderen Theatern und beim Film mit ein.

Bilder und Logo des Theaters Kuckucksheim

 

Hattest Du nie Angst? Warst Du immer überzeugt davon, dass das für Dich und Deine Familie das Richtige ist?
Angst – überhaupt nicht. Das war schon oft ganz schön schwierig, aber das war nie ein Problem für uns. Wahrscheinlich kommt mir da zu Gute, dass ich ein grundoptimistischer Mensch bin. Ich habe noch nie Existenzängste gehabt, finanzieller Art. Wir hatten da teilweise ganz, ganz wenig Geld. Aber Maria und ich können mit wirklich wenig Geld auskommen.
Es war vielleicht ein wenig naiv, aber es war mein größter Wunsch, Theater zu machen und auch einen Weg zu finden, das hier am Land zu machen. Ich dachte auch in meiner Jugend schon: „Warum findet Kultur eigentlich immer nur in der Stadt statt? Die Leute am Land haben doch auch das Recht Kultur genießen zu können.“  

Wie wichtig ist Dir Deine Familie neben der Theaterarbeit?
Ich war immer von meiner Familie getragen. Ich bin ein absoluter Familienmensch. Ich brauche meine Familie und hole mir da ganz viel Kraft raus. Ich glaube sagen zu können, dass ich ein sehr gutes Verhältnis zu allen meinen Kindern habe, weil ich immer in jeder Phase mit dabei war, alles mitbekommen habe. Das war mir wichtig und ich glaube, das spürt man jetzt dann auch. Da kommt auch was zurück.
Und Maria ist für mich immer der gute Geist im Hintergrund. Jede Stückauswahl, jede Entwicklung eines Stückes, sie ist immer der erste Ansprechpartner. Aber auch die Kinder sind immer mehr involviert. Drei meiner Söhne stehen mittlerweile mit mir auf der Bühne und gestalten die Stücke als Ausstatter und Musiker mit.

Du hast schon seit Deiner Kindheit von Theater geträumt und diesen Traum verwirklicht. Von was träumst Du heute?
Ich träume davon, dass es mit dem Theater weiter geht. Und was mir ganz wichtig geworden ist, ist Gesundheit für mich und meine Familie, dass sie uns erhalten bleibt.
Ja, ich habe mir in der Tat einen Traum verwirklicht und ich möchte jedem mit auf den Weg geben, dass man seinen Traum leben kann, wenn man nur wirklich daran glaubt. Das ist auch für mich noch manchmal fast märchenhaft. Aber es passiert natürlich nichts, ohne dass man selbst etwas dafür tut. Man muss es versuchen, sonst träumt man sein Leben lang und hat es dann nicht gemacht.
Und da ist dieser Kindheitstraum von dem ich anfangs erzählt habe: Das ich wirklich mit einem Bulldog und einem Zirkuswagen über die Dörfer ziehe und den Menschen Theater schenken kann. Das will ich noch machen. Vielleicht mit einem Stück ohne Worte, und dann mit meinem Bulldog nach Italien fahren oder Spanien, so drei Monate im Jahr mit Maria zusammen, wenn die Kinder groß sind. Dann leben wir unser Leben, so ganz langsam …

 

Theater Kuckucksheim , Heppstädt 28 , 91325 Adelsdorf , Telefon: +49(0)9195-2142

www.kuckucksheim.de

 

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